Politikverdrossenheit – Nicht mit uns!

Bei einer Podiumsdiskussion mit geladenen Politikerinnen und Politikern standen die Ergebnisse des Projekts „Demokratie auf dem Bürgersteig in Dessau-Roßlau“ im Fokus.

Am 30. Septembers war die Marienkirche in Dessau-Roßlau mal wieder so richtig voll. Diesmal waren sehr interessierte, meist junge Menschen, die sich zur Podiumsdiskussion „Politikverdrossenheit? Nicht mit uns!“ einfanden. Eingeladen zur Diskussion hatten Schüler*innen des Gymnasiums Philantropinum in Dessau-Roßlau, die zuvor eine umfangreiche Umfrage auf Dessaus Straßen durchgeführt hatten.

Regelmäßig trafen sich im vergangenen Schuljahr Schüler und Schülerinnen der achten bis zwölften Klasse im Rahmen eines Projektes zur „Schule ohne Rassismus – Schule für Courage“, um sich über Politik und die gegenwärtige gesellschaftliche Situation auszutauschen. Schnell entstand die Idee, sich als junge Menschen in einer alternden Stadt handelt mal Gehör zu verschaffen.

Schließlich wurde eine Umfrage entwickelt und von März bis September 2019 über 400 Menschen in Dessau-Roßlau zu ihrer Einstellung zu Demokratie und dem Grundgesetz, aber auch zum kulturellen Erleben und der Zukunft der Region befragt. Diese Interviews verliefen spontan, direkt auf den  Bürgersteigen in Dessau-Roßlaus. Überraschend schnell wurde deutlich, dass zwar viele der Befragten Kritik an der gegenwärtigen Politik formulierten, aber im Großen und Ganzen mit unserer Demokratie doch zufrieden sind. Aber: Mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen gab auch an, sich wenig bis gar nicht für Politik zu interessieren. Und wenn doch, dann am ehesten konkret für Themen wie Umweltschutz, Bildung und so weiter.

Von der Umfrage zur Debatte

Auf Einladung der Projektgruppe waren am Abend des 30. Septembers schließlich Sepp Müller (MdB, CDU), Cornelia Lüddemann (MdL, Grüne), Dr. Tamara Zieschang (Staatssekretärin, CDU), der Oberbürgermeister Peter Kuras (FDP) sowie Katja Bielau (Schülerin des Gymnasiums Philantropinum) zu Gast auf dem Podium in der Marienkirche, die Moderation hatte MDR Kultur Journalist Thomas Bille inne.

Und es wurde kontrovers diskutiert, nicht ohne Spitzen. So konterte die Schülervertreterin Katja Bielau den Hinweis von Sepp Müller, Politik müsse auch verstärkt auf die Nutzung sozialer Medien setzen, um junge Wähler zu erreichen und dabei verschiedene aktuelle Formate aufzählte (u.a. TikTok-Videos): „Glauben Sie nicht, dass Sie dadurch Ihre Glaubwürdigkeit verlieren?“.

Auch aus dem Auditorium gab es Hinweise zu Gründen einer möglichen Politikverdrossenheit. So wurde aus dem Publikum heraus kritisiert, dass junge Menschen erst mit 18 Jahren wählen, aber bereits mit 14 Jahren Mitglied der Jugendorganisationen der Parteien werden können. Die Forderung einer Herabsetzung des Wahlalters wurde auch von Cornelia Lüddemann  unterstützt.

Allein schon aus der regen Diskussion heraus wurde deutlich, dass es durchaus viele junge Menschen gibt, die sich auch gegen den Vorwurf von Politikverdrossenheit wehren, und vielmehr mehr Möglichkeiten zur Teilhabe einfordern.

Nach den hitzigen Diskussionen gab es zum Abschluss dieses gelungenen Nachmittags noch ein paar Songs des Schulchor des Philantropinums, der mit Liedern wie „Freedom“ und „Say something“ eng an der Thematik des Abends anknüpfte.

Zusätzliche Informationen zur Veranstaltung gibt es hier. Mehr Informationen zum Projekt sowie die komplette Auswertung der Bürgersteig-Befragungen finden Sie hier.


Service

Mehr Bilder zur Veranstaltung gibt es hier …


Kontakt

Gymnasium Philanthropinum
Friedrich-Naumann-Str. 2
06844 Dessau-Roßlau

Telefon : 0340 212550
Fax: 0340 2400783
Email: sekretariat.philan[at]dessauer-schulen.de



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