Netzwerk GELEBTE DEMOKRATIE verurteilt rassistische Hetze und Geschichtsklitterung

Neonazis planen am 10. April 2018 Kundgebung auf dem Dessauer Lidiceplatz

WP_20180310_094Neonazis aus Dessau-Roßlau und Umgebung mobilisieren am 10. April 2018 unter dem Motto „Kandel ist überall“ zu einer Kundgebung auf dem Lidiceplatz in Dessau-Nord. Die Rechtsextremisten haben ihren Aufruf unverfänglich als „Bürgerbewegung in und um Dessau-Roßlau“ kaschiert und im Internet veröffentlicht. Dahinter stehen jedoch eindeutig neonazistische Akteure aus dem NPD-Umfeld und dem militanten Kameradschaftsspektrum. Auf einschlägigen Profilen in den sozialen Netzwerken wird die rassistische und fremdenfeindliche Hetze offensichtlich. So werden Sexualverbrechen und Messerattacken von nichtdeutschen Tatverdächtigen, die durch nichts zu rechtfertigen sind, dafür genutzt, geflüchtete Menschen persè und ohne Differenzierung zu Kriminellen abzustempeln. Solche Pauschalisierungen verstärken Vorurteile, schüren Angst und grenzen Menschen aus. .

Das Netzwerk GELEBTE verurteilt diesen Versuch der rassistischen Hetze und Geschichtsklitterung auf das Schärfste.

Hinzu kommt, dass sich die Rechtsextremisten mit dem Lidiceplatz einen Ort für ihre Inszenierung ausgesucht haben, der wie kaum ein anderer in der Stadt symbolisch für den Terror der Nationalsozialisten steht. So erinnern die dortigen Skulpturen von Bertolt Brecht und Kurt Weill daran, dass in Nazideutschland erst Bücher brannten, dann Tausende ins Exil getrieben wurden und schließlich alles in der systematischen Vernichtung der europäischen Juden, dem Holocaust, endete.

Kurt Weill wurde 1900 in Dessau als Sohn des Kantors der Jüdischen Gemeinde geboren. In Deutschland fielen seine Werke der Bücherverbrennung im Mai 1933 zum Opfer. 1935 emigrierte Weill in die USA und erhielt 1943 die amerikanische Staatsbürgerschaft. Im selben Jahr wurde Ben Hechts Stück  „We will never die“ über die Vernichtung des europäischen Judentums  uraufgeführt, zu der Kurt Weill die Musik geschrieben hatte.

WP_20180310_088Die Kurt Weill-Skulptur auf dem Lidiceplatz

Bertolt Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren und erlangte in den 20er Jahren als Dichter und Regisseur erste Erfolge. In Zusammenarbeit mit Kurt Weill entstand 1929 die Dreigroschenoper. Ab 1930 begannen die Nationalsozialisten, Brechts Aufführungen vehement zu stören. Seine Bücher wurden 1933 verbrannt, und 1935 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Auf vielen Umwegen erhielt Brecht 1941 ein Einreisevisum in die USA.

WP_20180310_094Die Bertolt Brecht-Skulptur auf dem Lidiceplatz

Der Platz, der den Namen des Dorfes Lidice trägt erinnert zudem an die Gräueltaten der deutschen Besatzer in Tschechien. 1942 wurde das Dorf Lidice ausgelöscht. Hier wurden während des Zweiten Weltkrieges durch deutsche Sicherheitsbehörden nahezu alle männlichen Einwohner ermordet, die Frauen, Kinder und alte Menschen in Konzentrationslager deportiert und das Dorf zerstört und ausgelöscht. Dieses Verbrechen gegen die tschechische Zivilbevölkerung fand 1942 als Teil der Racheaktionen nach dem Prager Attentat auf den Reichsprotektor von Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich  statt. Die Behauptung, die Dorfbewohner hätten die Attentäter beherbergt, stellte sich später als falsch heraus.

Bereits jetzt laufen die konkreten Planungen am 09. Juni 2018, an dem sich das Massaker von Lidice zum 76. mal jährt, ein würdiges Erinnerungsprojekt in Dessau-Nord umzusetzen.


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